Ausgerechnet mit dem Marimba-Sound seines iPhones brachte nun ein New Yorker das berühmte Sinfonieorchester seiner Stadt zum Schweigen. Gegen Ende einer Aufführung von Gustav Mahlers neunter Sinfonie schallte der Klingelton durch den Saal der Avery Fisher Hall in New Yorks Lincoln Center - und hörte nicht mehr auf. Dirigent Alan Gilbert bedeutete seinem Orchester schließlich, die Aufführung zu unterbrechen, drehte sich um und bat das Publikum, doch bitte das Handy auszuschalten. Doch der Marimbaton, der aus der ersten Reihe kam, wiederholte sich weiterhin wieder und wieder. Die Zuhörer wurden "Digital Trends" zunehmend wütend, riefen "werft ihn hinaus", "genug!" und "1000 Dollar Strafe!", während der eigentlich Schuldige sich, eigenen Angaben zufolge, nach wie vor keiner Schuld bewusst war. "Sie verlangten nach Blut", notierte für die "New York Times" deren Klassik-Spezialist Daniel Wakin.

Nachdem Alan Gilbert seine Bitte mehrmals wiederholt hatte, wurde das Telefon schließlich zum Schweigen gebracht - mittlerweile drückten diverse Zuhörer sicherheitshalber auf ihren Telefonen herum. Der Übeltäter wurde jedoch identifiziert und bekam am nächsten Tag einen Anruf der Philharmonie. Er entschuldigte sich vielmals, auf eigenen Wunsch auch beim Dirigenten selbst. Der "New York Times" erklärte der Mann, der namentlich nicht genannt werden wollte, das Ganze sei "schrecklich, schrecklich", er habe seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen. Er sei seit 20 Jahren Abonnent der Konzerte des Orchesters und kenne mehrere der Musiker persönlich. Auch beim Publikum wolle er sich von ganzem Herzen entschuldigen.

Für sein Missgeschick hatte er eine plausible Erklärung: Er habe das Telefon erst tags zuvor von seinem Arbeitgeber bekommen und sich noch nicht damit ausgekannt. Er habe auch keinen Anruf erhalten, das Klingeln sei ein versehentlich ins Telefon einprogrammiertes Wecksignal gewesen. Das Wecksignal aber wird auch dann nicht stummgeschaltet, wenn man den entsprechenden Schalter in Schweigestellung gebracht hat.

Spott im Netz hat dem Mann die Sache in jedem Fall eingebracht. Der zeitgenössische Komponist Daniel Dorff etwa twitterte: "Habe meinen Klingelton vorsichtshalber auf die neunte von Mahler geändert.".